Samstag, 7. September 2013

... wir steigern das Konfliktpotential

Hallo zusammen,

die Überschrift des Blog-Artikels ist nicht nur eine Anspielung auf einen 80er-Jahre-Hit, sondern einfach eine Tatsache, dass in unserer Demokratie immer unterschiedliche Meinungen möglich sind. Sachliche Informationen zur Meinungsbildung sind rar gesät, doch
am vergangenen Mittwoch in Lessien gab es eine geballte Ladung an Fachkompetenz in Sachen Mobilität. So viele Experten waren in dieser Region - wenn überhaupt - schon lange nicht mehr an einem Abend zu erleben. Da haben BUND und VCD als Organisatoren ganze Arbeit geleistet! Danke!

Dr. Werner Reh (Leiter des Verkehrsreferates BUND) begründete die Einreichung der B4 als Alternative zum geplanten Ausbau der A39. Darauf machte Hans-Christian Friedrichs (Landesvorsitzender des VCD Niedersachsen) deutlich, dass unsere aktuellen Mobiltätsprobleme durch den jahrelangen Fokus auf den Asphalt durchaus hausgemacht sind. Mit Prof. Dr. Matthias Gather vom Institut Verkehr und Raum der Fachhochschule der Erfurt, folgte der prominenteste Referent des Abends. Er belegte mit wissenschaftlich Fakten, dass es zwischen wirtschaftlichen Wachstum und Fernstraßenbau keinen nennenswerten Zusammenhang gibt.



Wenn sich dann trotz aller erschlagenden Argumente bei der anschließenden Fragerunde ein CDU-Politiker und Bürgermeister eines von der A39 weniger betroffenen Ortes in bester Manier seiner Cheffin alles schön redet, dann kann man nur noch den Kopf schütteln. Vor eine paar Jahren soll der Kerl noch ein erbitterter Gegner der A39 gewesen sein, denn damals wurde die Trassenführung näher an seiner Haustür vorbei geplant. Daraus leite ich mal die Erkenntnis ab, dass Widerstand gegen unsinnige politische Entscheidungen durchaus von Erfolg gekrönt werden können.

Die letzte Referentin des Abends Dipl.-Ing. Hinrike Böhm von der Niedersächsischen Landesanstalt für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) hatte auf einer Präsentationsfolie den Punkt "Konflikte" vermerkt. Das Konfliktpotential oder auf deutsch der zu erwartende Ärger mit den Bürgern, findet bei der Berechnung des Nutzen-Kosten-Verhältnisses Beachtung. Niemand sollte also behaupten, dass wir eh nichts ausrichten können.



Wenn unterschiedliche Meinungen aufeinander treffen, dann gibt es immer Konflikte. "Selten laufen Vorbereitung und Umsetzung von Bauvorhaben wie gedacht. Bürgerinnen und Bürger sind – zu Recht – unzufrieden, wenn sie nicht in die Gestaltung ihres Lebensraumes miteinbezogen wurden. Denn sie wollen mitbestimmen." so lautet ein Zitat von der Projektseite der Bürgermeisterallianz des BUND.

Natürlich wurden in der abschließenden Diskussion an dem Abend die angesprochenen Punkte kontrovers diskutiert. Da waren Bürger aus Ehra - welche sich komplett auf die A39 als einzige mögliche Lösung fokussiert hatten. Dann Bürger aus Lessien, die eine deutliche Zunahme des Verkehrs wegen den nahe geplanten Autobahnauffahrt befürchten. Hervorzuheben ist ein Kommentar vom Bundestagsabgeordneten Herbert Behrens (Die Linke). Er macht als Mitglied des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag allen anwesenden noch einmal deutlich, dass es noch viele Jahre dauern wird, bis vielleicht eine der beiden Bauprojekte begonnen wird. Wir könnten mit der Einführung einer flächendeckenden LKW-Maut auf ALLEN Straßen oder eines Durchfahrtverbots für Transit-Verkehr schon kurzfristig die Belastung in den Orten senken!

Das schöne an unserer Demokratie ist es, dass am Ende meist etwas vernünftiges heraus kommt.


Ein schönes sonniges Wochenende,
Norbert Schulze

Mitglied der Bürgerinitiative Natürlich Boldecker Land http://www.VernunftBuerger.de
Der Inhalt dieses Beitrages ist meine persönliche Meinung. Er wurde von keiner Redaktion auf Richtigkeit und/oder Vollständigkeit geprüft und stellt nicht notwendiger Weise die Meinung der Bürgerinitiative "Natürlich Boldecker Land" dar.

Presserundschau:
04.09.2013 Aller Zeitung: „A 39 volkswirtschaftlich immer unsinniger“
05.09.2013 Aller Zeitung: Experten einig: A 39 bringt kaum Nutzen
05.09.2013 Gifhorner Rundschau: A 39 soll kein Garant für Arbeit sein

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